Das Münchener Modell – Kurzfassung

Jeden Monat verdunstet ein kleiner Teil des Geldes - und regnet als Grundeinkommen auf alle wieder herab.

Im Münchner Modell werden zwei Dinge, die unabhängig voneinander als Ideen in unserer Gesellschaft sind, verbunden: Das eine ist die Idee des bedingungslosen Grundeinkommens für jeden, das andere die Idee des fließenden Geldes. Bei beiden Ideen werden die Menschen, die miteinander wirtschaftlich in Austausch treten, in unterschiedlichen Bereichen auf Augenhöhe gebracht. Das Grundeinkommen hebt den Anbieter von Arbeit, also den Arbeitnehmer, mit dem Arbeitgeber auf Augenhöhe, indem es ihm die Möglichkeit gibt, “Nein” zu sagen. Fließendes Geld, hebt den Anbieter einer Ware mit dem Besitzer von Geld auf Augenhöhe, weil der Besitz von Waren und der von Geld beide Kosten verursachen. Bei Waren sind das Lagerkosten oder Wertminderungen während der Lagerung, bei fließendem Geld ist es die zu diesem Zweck erhobene sogenannte „Flussgebühr“ auf liquides Vermögen. So hat der Geldbesitzer genauso wie der Anbieter einer Ware ein Interesse daran, sein Eigentum zu tauschen. Will er es nicht tauschen, kann er es zinslos investieren und ermöglicht damit die Herausgabe zinsloser Kredite. Dadurch wird das Geld durch Handel und Kreditvergaben schneller in Umlauf gebracht und steht dem Wirtschaftenden in jeder Form zinsfrei zur Verfügung.

Beide Fragen beantworten sich gegenseitig

Wie Fließendes Geld und Grundeinkommen zusammengehören, zeigt sich, wenn man beide Ideen getrennt betrachtet. Betrachte ich nur das Grundeinkommen, das Monat für Monat bedingungslos an alle ausbezahlt wird, dann stellt sich die Frage: Wer bezahlt das? Betrachte ich nur das fließende Geld, das Monat für Monat bei allen Geldbesitzern durch die Flussgebühr abfließt, stellt sich die Frage: Wo fließt es hin? In der Verbindung zeigt sich: Beide Fragen beantworten sich gegenseitig.

Beim Münchner Modell verwandelt sich unser altes, kreditgeschöptes und mit Zinsen belegtes Geld, der Euro, Schritt für Schritt in neues Geld: den Euro+. Gleichzeitig werden alle Teilnehmer am Euro+-System
zusammen Eigentümer an Grund und Boden, der mit den umwandelten alten Euros gekauft und so aus dem Spekulationsbesitz genommen wird. Diese Grundstücke werden wiederum gegen Euro+ verpachtet und werfen zusammen mit den Erträgen aus der Flussgebühr allen Teilnehmern ein echtes „Grundeinkommen“ ab.

Ein neues Geld für neue Menschen

Ähnlich wie bei den Regiowährungen kann der Euro+ parallel zum heutigen Geld eingeführt werden. Er ist aber im Gegensatz zu der Regionalwährungen nicht auf ein bestimmtes Gebiet begrenzt und kann im gesamten Euroraum eingesetzt werden.

Zu Beginn wird nur ein Teil der Geldflüsse im neuen Geld abgewickelt werden. So erklärt sich ein Händler beispielsweise bereit, 5 oder 10% seiner Rechnungsbeträge in Euro+ anzunehmen. Stellt er fest, dass er die Euro+ wieder an seine Geschäftspartner weiterreichen kann, kann er den akzeptierten Prozentsatz Schritt für Schritt und ohne Risiko erhöhen oder bei Bedarf wieder senken. So bilden sich echte Geldkreisläufe mit zinsfreiem Geld, die alle Beteiligten stärken. Durch Flussgebühr und Grundeinkommen bleibt das Geld zusätzlich immer in Bewegung. Reichtum ist weiterhin möglich: bei dem, der sein Geld investiert und damit der Gesellschaft durch sein unternehmerisches Handeln etwas zurückgibt. Gleichzeitig wird Armut verhindert, genauso wie reine Spekulation, und echter sozialer Frieden gefördert. Davon profitieren alle.

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11 Comments on "Das Münchener Modell – Kurzfassung"

  1. Nicolas Barth
    10/05/2011 at 21:28 Permalink

    Ja genauso seh ich es auch. Beides gehört zusammen, und dann kann die Sache so leicht erklärt werden, wohin fliesst /wer zahlt und gleiche Augenhöhe. Equal rights heisst das alte Lied, equal rights, for black and white, for big and small, for rich and poor. Unsere ganze Wirtschaftswelt nur eine böse Verzauberung, die uns irgendein trotteliger Zauberer angehext hat? Ist jetzt gerade der Zauberbann daran seine Wirkung zu verlieren?

  2. Johannes Ponader
    10/05/2011 at 21:52 Permalink

    Ja, das glaube ich. Der Zauberbann verliert seine Wirkung. Lasst uns ein großes Fest feiern!

  3. Ernesto Lukschik
    12/05/2011 at 15:05 Permalink

    Also eigentlich hat man mir im Gymnasium überdurchschnittlich Intelligenz bescheinigt, mein Alkoholkonsum seit dem war durchgängig unterdurchnittlich, d.h. meine Gehirnzellen sollten noch weitgehend vorhanden und aktiv sein.
    Aber irgendwie habe ich das mit dem Grundeinkommen bis heute nicht begriffen und die oben beschriebene Interaktion begreife ich erst recht nicht.
    Irgend wie erscheint mir das ganze zwar wie eine sehr gut gemeinte Idee aber auch als ein schöner neblöser Traum von einem finanziellen Perpetuum mobile.
    Der Kommentator Nicolas Barth schreibt oben von einer bisherigen Wirtschaftswelt, die nur eine böse Verzauberung sei. Was immer ich über Grundeinkommen & Co lese und höre, klingt mir danach, als wenn jetzt die guten Zauberer einen Gegenangriff starten wollen. Aber das reale Leben unterscheidet sich doch ein wenig von dem supertollen Roman “Herr der Ringe”

  4. Johannes
    17/05/2011 at 17:57 Permalink

    Lieber Ernesto,

    wenn es die Illusion eines Perpetuum mobile gibt, dann ist es der permanente Wachstumswahn, der glaubt, man könne von der Welt nur nehmen und nehmen, ohne ihr dafür etwas zurückzugeben.

    Am Weltspartag lernt jedes Kind – lange bevor es den ersten Tropfen Alkohol konsumiert – dass Geld, das man aufs Konto legt, immer mehr wird.

    Von dieser Vorstellung trunken gemacht erkennen es dann nicht mehr so leicht, dass natürlich auch das Zinssystem kein Perpetuum mobile ist, sondern eine (meist unbewusste) gesellschaftliche Übereinkunft, und dass dort, wo Geld durch Zinsen scheinbar aus dem Nichts immer mehr wird, jemand anderes im Verborgenen dafür arbeiten muss.

    Und dieser andere, das erkennen wir noch schwerer, sind wir, die wir in jedem Euro, den wir ausgeben, im Schnitt 30 Cent für Zinsen bezahlen.

    Bei 70% Mehrwertsteuer, da würden schnell alle auf der Straße stehen. Aber verstecke es und nenn es Zinsen, und alle sind zufrieden.

    Würden wir uns morgen darauf einigen den Zins abzuschaffen, könnten wir von dem ersparten Geld sofort jedem ein Grundeinkommen von 600 Euro bezahlen.

    Eine Illusion?

  5. Robert
    20/07/2011 at 09:25 Permalink

    Lieber Johannes,

    Mit der scheinbaren Knappheit von Ressourcen, Geld etc. wird auch viel Geld verdient.
    Ein System mit einem positiven Zins würde genauso funktionieren (mathematisch gesehen) wie eins mit negativem, lediglich die Stellschrauben sind nicht so leicht zu greifen.
    Ein Zusammenhang zwischen (unbegrenztem?) Wachstum und Zins sehe ich nicht; dies gelingt mir nur wenn ich mir vorstelle die “Untergangspropheten” bzw. “Knappheitsapostel” hätten recht, was ich aber wie gesagt anders sehe.

    Grundsätzlich empfinde ich eine Welt mit einem bedingungslosen Grundeinkommen als freier; dies ist dann für mich in Konsequenz eine höhere Lebensqualität.
    Meiner Meinung nach ist sowieso alles – Gesellschaftssystem, Volkswirtschaft, Definition von Lebensqualität, etc. (eben alles) – subjektiv und von Menschen gemacht, bewertet und einsortiert. Somit bekommen wir genau das was unserem “Bewustseinszustand” entspricht; d.h. wenn wir kollektiv ein bedingungsloses Grundeinkommen als angenehm und geeignet empfinden, werden wir es bekommen. Vielleicht haben wir es sogar schon, und ich sehe es nur nicht – in anderen Ländern z.B.?

  6. Daniel
    25/11/2011 at 23:49 Permalink

    Was ich nicht verstehe ist: wenn ich einen Kredit OHNE Zinsen bekomme und dafür die “Gebühr” auf das liquide Geld, das ich durch Verwendung des Kredits zum Kauf einer Ware aber weitergeben kann, erhoben wird, wodurch werde ich dann daran gehindert ohne Limit neue Kredite aufzunehmen?

    Grüße
    Daniel

  7. Johannes
    26/11/2011 at 00:04 Permalink

    Um einen Kredit zu bekommen, brauchst du natürlich eine Sicherheit – wie heute auch. Also Vermögenswerte oder ein Einkommen in einer Höhe, durch das der Kreditgeber erwarten kann, dass du den Kredit am Ende der Laufzeit oder in Raten zurückbezahlen kannst. Denn auch wenn du keine Zinsen bezahlst, bleibst du ja die Kreditsumme schuldig.

    Ohne solche Sicherheiten würdest du den Kredit wohl höchstens mit enormen Rusikoaufschlägen bekommen. Der Kreditgeber will schließlich sein Geld wiedersehen :)

  8. Margaret Pleger
    02/12/2011 at 23:08 Permalink

    Ich würde ein bedingungsloses Grundeinkommen für jede Person sehr begrüßen.
    Es würde jedem Menschen mehr Freiheit und Lebenqualitätssteigerung geben.

    Ich denke,es sollte die Möglichkeit geschaffen werden, daß vielleicht 50.000 Menschen (vorerst für ein Jahr) z.B. in Tirol mit dem bedingungslosen Grundeinkommen zu leben versuchen.

  9. Dietlind Rinke
    03/03/2012 at 18:04 Permalink

    Dass ein bedingungsloses Grundeinkommen funktionieren kann, werden wir bald durch eine Volksabstimmung in der Schweiz (2012) beobachten können. Dort wird die Diskussion in breiter Öffentlichkeit geführt und das schon seit geraumer Zeit, – nicht nur wie bei uns im Internet.

  10. carl
    11/05/2012 at 20:01 Permalink

    “Geld das keinen Anreiz hat es zu bekommen, weil es künstlich an Wert verliert” wäre wohl ein passenderer Name…

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